Spotlights

Eine eigene Handschrift, ein auffälliger Gestaltungswille, historische Errungenschaften oder völlig neue Blickwinkel: Mit ausführlichen Personalen oder Filmreihen würdigen wir jene VertreterInnen der kurzen filmischen Form, die dem internationalen Kurzfilmschaffen – entweder ganz aktuell oder über lange Jahre – mit herausragenden Arbeiten ihren Stempel aufdrücken oder aufgedrückt haben.
Einer, der mit seinen detailverliebten und ins Epische driftenden, kindlich absurden und existenzielle Tiefen auslotenden Kurzfilmen schon in jungen Jahren Geschichte geschrieben hat, ist der US-Animationskünstler Don Hertzfeldt. Seit 1995 schafft er Filme, die es davor so nie gegeben hat – mit der bestechenden Klarheit einfacher Striche auf weißem Papier. Gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum widmen wir Hertzfeldt in diesem Jahr das Spotlight des Festivals.

Don Hertzfeldt

„Ein Animationsfilm ist nicht einfach nur eine Folge hirnloser, brutaler Comics-Bilder für kleine Kinder und Geistesgestörte, sondern eine ernsthafte und völlig eigenständige Kunstform, die es dem Künstler erlaubt, zu großer Reinheit vorzudringen.“ – So naseweis spricht ein Wolkenwesen, kurz darauf greifen Roboter an: eine blutige Science-Fiction-Szenerie, gestaltet in den für Don Hertzfeldt typischen Arrangements aus krakeligen Linien, minimalistisch gesetzten Farbfeldern und einem im Kontrast dazu bombastisch anmutenden Soundtrack. Konzentriert und ausschweifend, detailverliebt und ins Epische driftend, kindlich absurd und existenzielle Tiefen auslotend: Seit 1995 gestaltet der Kalifornier Hertzfeldt (*1976) Filme, die es davor so nie gegeben hat. In der bestechenden Klarheit einfacher Striche auf weißem Papier eröffnen die frühen Filme einen Animationsfilmkosmos, der mit scharfer Klinge die kommerzielle Bewegtbildkultur kondensiert, satirisch übersteigert und bloßstellt – den Zettelkasten der Genrestandards, die Muster des Dating-Fernsehens und das Grauen infantiler Kindersendungen. Ihren ersten Höhepunkt finden sie in Rejected (2000), einer teuflischen, für den Oscar nominierten Ansammlung der (Sabotage-)Versuche des Künstlers, für das Kinderfernsehen und die Werbung zu arbeiten. Mit The Meaning of Life (2005), der Trilogie It's Such a Beautiful Day (2006-12) und Hertzfeldts neuester Arbeit World of Tomorrow (2015) weitet sich der Blick. Dies sind epochale Gemälde der conditio humana, doch sie bleiben einer minimalistischen Form verpflichtet, die mit erstaunlicher Immersionskraft das ganze Universum, die Zukunft und die Steinbrüche der Erinnerung auf die Leinwand zaubert. Selten ist Animationsfilm so sehr bei sich selbst und lässt uns zugleich vergessen, dass wir nur in Bewegung versetzte Linien sehen.
Die in Kooperation zwischen Österreichischem Filmmuseum und VIS veranstaltete Schau zeigt zum ersten Mal in Österreich einen Überblick über das Schaffen des Künstlers. Im Rahmen einer Masterclass wird Don Hertzfeldt darüber hinaus über seinen kreativen Prozess, seine Arbeit an The Simpsons und der Graphic Novel The End of the World sprechen – sowie sein jüngstes, in Sundance prämiertes Werk World of Tomorrow präsentieren.

(Alejandro Bachmann, Österreichisches Filmmuseum)